Discussion:
Der Naturalismus hat keine Antwort
(zu alt für eine Antwort)
Jonas Fleischer
2019-06-02 12:30:54 UTC
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Egal, wie weit die Gesellschaft technisch fortschreitet, wird Leben nie
ganz frei von Leid sein.

Leid läßt sich leichter ertragen mit Sinn. Naturalisten sagen, das
Leben hat nur den Sinn, den du ihm gibst. Aber ein selbstgemachter Sinn
ist für einen Leidenden kein echter Trost. Und Tugenden wie
Verantwortung, Selbstüberwindung und heroisches Durchhalten lassen sich
aus einem streng naturalistischen Welt- und Menschenbild nicht
ableiten.

Die einzige Antwort, die Naturalisten darauf geben können, ist die
Beendigung der physischen Existenz durch Sterbehilfe.

Darum ist der Naturalismus falsch. Er ist nur eine Philosophie für
Glückliche. Und es ist ethisch eine Schweinerei, daß Naturalisten
versuchen den weniger Glücklichen auch noch ihren Trost zu nehmen und
sie dann, wenn sie jeder Quelle der Hoffnung beraubt sind, dazu
auffordern aktiv die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen.

Das ist, wie wenn man einem gehbehinderten Opa die Krücke wegnimmt, ihn
zu Boden wirfst und dann sagt "Steh auf und laufe, oder verrecke".

Aber das wird die Leute hier natürlich nicht überzeugen, weil sie an
die Konzepte Konkurrenz und evolutionäre Auslese glauben, unter der
Annahme, daß sie die Gewinner sein werden.

Aber diese Konzepte sind Prämissen, die sich aus dem Naturalismus nicht
ableiten lassen. Schlimm, daß diese widersprüchliche Scheiße in
Deutschland zum Standard geworden ist. Es ist der mentale Rückfall ins
Barbarentum mit wissenschaftlicher Begründung.
Franz Glaser
2019-06-02 12:57:18 UTC
Permalink
Post by Jonas Fleischer
Egal, wie weit die Gesellschaft technisch fortschreitet, wird Leben nie
ganz frei von Leid sein.
Als ich mich (jugendfrisch) in asiatische Religionen einzulesen
versuchte, war das Leiden ein wesentlicher Bestandteil in der ver-
fügbaren Literatur.


GL
--
Der Zeitgeist ist das, was grad die Mehrheit unter der
Normalverteilungsglocke für richtig hält. Hinten sind die altmodischen
Irren und vorne sind die progressiven Irren, beide kämpfen gegen die
mittelmäßige Mehrheit.
Peter Zander
2019-06-03 05:04:15 UTC
Permalink
Post by Franz Glaser
Post by Jonas Fleischer
Egal, wie weit die Gesellschaft technisch fortschreitet, wird Leben nie
ganz frei von Leid sein.
Als ich mich (jugendfrisch) in asiatische Religionen einzulesen
versuchte, war das Leiden ein wesentlicher Bestandteil in der ver-
fügbaren Literatur.
Der Buddhismus etwa will aufzeigen, wie Leid entsteht, nämlich durch
Begierden, und wie es überwunden werden kann. Es gibt aber auch Leid,
das man durch selbst bestimmten Freitod überwinden kann und diese
Handlungsmöglichkeit unterscheidet den Menschen von den Tieren.

Aus Sicht asiatischer Religionen, die von einer Wiedergeburt ausgehen,
ist das aber anders zu sehen, als aus der Sicht von Religionen, die
nach dem Tod entweder ewige Höllenqualen androhen oder ewiges Leben
vorlügen. Wer also Freitod als negativ hinstellt, ist, selbst wenn er
das nicht merkt, in diese Falle der Religionsverbrecher gestolpert ;-)
Franz Glaser
2019-06-02 13:04:47 UTC
Permalink
Post by Jonas Fleischer
Aber diese Konzepte sind Prämissen, die sich aus dem Naturalismus nicht
ableiten lassen.
Konzept hin oder her ... was zählt ist die Verantwortung, die "jemand"
auf sich nimmt, der Leid zufügt. Dazu sagt der Naturalismus nix, dem
ist auch _die_Macht_ wurscht, um die sie fast alles dreht. Für die
die Mächtigen Anderen Leid zufügen und die Schwachen Leid ertragen.


GL
--
Der Zeitgeist ist das, was grad die Mehrheit unter der
Normalverteilungsglocke für richtig hält. Hinten sind die altmodischen
Irren und vorne sind die progressiven Irren, beide kämpfen gegen die
mittelmäßige Mehrheit.
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